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    "The Night of the Living Dead", ein historischer Schwarz-Weiss-Film von Kult-Regisseur George Romero, zählt heute zu den Filmen, die vom amerikanischen Library of Congress als schätzenswerte Kulturgüter für die Ewigkeit konserviert werden. Der Erfolg dieses Grusel-Movies trat Anfang der Siebziger Jahre eine Welle von Zombie- und Splatterfilmen los. Klaus liebte Horrorfilme und so war der Name des Clubs, den er am 18. Mai 1973 zusammen mit fünfzehn Jungs und einem Mädel offiziell aus der Taufe hob, klar: The living Dead. 2003 ist das Jahr der runden Geburtstage: Harley wird hundert, die Hells Angels in Deutschland werden dreißig, die schwarzen Ghost Riders wären ebenfalls dreißig geworden und auch der "The Living Dead MC Wuppertal" feiert seinen runden Geburtstag. Richtig: In Wuppertal gibt es seit dreißig Jahren einen stabilen Motorrad-Club, der mit heute 29 Mitgliedern zu den ältesten in Deutschland zählt.

    Matthes, Bernd und Bambo -heute im Vorstand des Clubs- hatten sich entschlossen, uns anläßlich des Jubilläums ein wenig hinter die Kulissen blicken zu lassen. Nun ist Club-history immer dann schwierig zu recherchieren, wenn keine Gründungsmitglieder mehr dabei sind. So trafen wir Klaus, Bernd L. und Tuffy, die zwar kein Colour mehr auf dem Rücken tragen, dem Biker-Style aber trotzdem treu geblieben sind. Nur Ex-Presi Paddy musste plötzlich noch absagen.


















    Die Deads ballerten anfangs noch mit abenteuerlichen umgebauten Mopeds durch die Gegend, hörten Rolling Stones und trafen sich zum Saufen am Baggersee. Kreidler Florett, wassergekühlte Zündapps und Herkules waren ihre bevorzugten Marken, fünfzig Kubik der Hubraum, das Tuning auf mehr als 100 Sachen Pflicht. Von richtigen Motorrädern oder gar einer Harley konnten die Jungs nur träumen. Das war Mitte der Siebziger kein Problem mehr. Klaus stieg auf die legendäre Honda 750 Four um, später eine BMW. Jetzt waren AME-Umbauten, Sargtanks Apes und Sissybars angesagt. Die Mitglieder des Living Dead MC gehörten mit zu den Ersten, die AME-Umbauten über den TÜV bekamen.
    1977 änderten se ihr Colour noch einmal: Der Sarg blieb, das Kreuz wurde durch einen Adler ersetzt und "Wuppertal" kam als Ortsangabe hinzu.



    Natürlich fuhr der Club viele Parties an und da blieb es auch nicht aus, dass in der ein oder anderen Auseinandersetzung die Fäuste flogen. Schnell verschafften sich die Livings den nötigen Respekt in der Szene. Ein lebender Toter ist eben nicht kleinzukriegen, er steht immer wieder auf.

    Sie trafen sich in der "Aschenbecherkneipe", die ihren Spitznamen bekommen hatte, als Klaus eines Abends in Folge eines Wutausbruchs en Stammtisch-Aschenbecher zerdepperte und sich dabei die Hand so aufschnitt, dass die Bewegungsfähigkeit seiner Finger heute noch eingeschränkt ist.

    1979 fuhren Tuffy, Paddy und ein paar andere nach Mannheim zu den Bones. Dort war es üblich, dass die Gäste Ihre Clubfahnen ins Festzelt hängten. Und da hing doch tatsächlich die Fahne eines Living Dead MC aus Ludwigshafen! Umgehend stellte sich Tuffy den Ludwigshafenern vor und machte auf die Namensgleichheit aufmerksam. Die hatten kein Problem damit, im Gegenteil. Sie zischten ein paar Bier, lernten einander kennen, schlossen Freundschaft und beschlossen schliesslich, fortan unter gleichen Farben zu fahren. Auch das hat es gegeben in den wilden Achtzigern. Als die Ludwigshafener ein paar Monate später nach Wuppertal kamen, brachten sie das neue Colour gleich mit und Paddy wurde Präsident.

    Seitdem tragen die Wuppertaler das in der Szene bekannte Abzeichen unverändert.

    Über das Chapter in Ludwigshafen kamen die Living Dead natürlich häufiger mit den Bones zusammen Dabei war der Anfang der Beziehung alles andere als stressfrei. Sie begann nämlich mit einer Klopperei in Frankfurt. Die Bones waren von der Wehr- und Standhaftigkeit der lebenden Toten wohl so beeindruckt, dass sie ihnen den Wechsel des Colours anboten. Die Ludwigshafener nahmen schließlich an, Paddy lehnte dankend ab. Seitdem gibt es den Club nur noch in Wuppertal.

    Freundschaftliche Beziehungen entwickelten sich auch zum gelben Ghost Riders MC. Daran hat sich nach dem Wechsel der Ghostrider`s zum Bandidos MC nichts geändert. Mattes dazu:" Freundschaften sind uns sehr wichtig. Zu einer gut funktionierenden Freundschaft gehört aber auch, dass wir unabhängig bleiben und niemand uns Vorschriften macht."

    Der Aschenbecherkneipe folgte als erstes echtes Clubhaus ein altes Fabrikgebäude, später zog der Club in das Kulturzentrum Börse um. Und dann sprengte man eines Abends eine Beachparty und nutzte das Strandbad zur Taufe eines neuen Mitglieds. Die lokale Presse berichtete: " Um Mitternacht flogen die Saaltüren auf, der Matsch spritzte hoch, Motoren brüllten und die Living Deads waren da. Während ein großer Teil der Tropentraumtänzer noch rätselte, ob es sich um einen Irrtum oder um einen Überfall handelte, hatten die überraschenden Besucher schon die Macht an sich gerissen..."

    1988 veschwand Paddy vorübergehend nach Spanien und Berni übernahm das Zepter. Der Börse folgte als Clubresidenz ein Bunker mitten im Rotlichtbezirk Wuppertals. Was sich dort an machen Abenden zugetragen hat, können wir aus Jugendschutzgründen leider nicht berichten. Seit 1996 residieren die Livings in der Clausenstraße.

    Berni leitete die Geschicke des Clubs bis 1997. Dann orientierten sich er und einige andere Mitglieder zunehmend in Richtung Düsseldorf, sie wurden Bones oder Hells Angels. Heute bilden Bambo, Mattes und Bernd den Vorstand, von dem alle Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Alle Vorstandsmitglieder sind mindestens fünfzehn Jahre dabei.

    Jedes Jahr veranstaltet der Club neben offenen Samstagen im Clubhaus zwei größere Parties. Alle Gäste, ob geladen oder ungeladen, richten sich nach dem ungeschriebenen Gesetz:"Come in peace or stay at home", Wer zu den Deads kommt, kann auf deren uneingeschränkte Gastfreundschaft setzen, wenn er sich so benimmt, wie es sich für einen Gast gehört.

    Die 30-Jahres-Feier steigt im September und wird an alte Zeiten erinnern. Neben "Bourbon Street" und "Airbag" spielt nämlich Zeltinger - der Kölsche Assi mit Niveau.

    Alex, Gitarrist von Zeltinger, wollte zunächst gar nicht zusagen: "Was? Living Dead MC? Ihr glaubt doch nicht im Ernst, dass ich bei euch auftrete." Was war passiert? 1984 gehörte Alex mit seiner Alex Parche Band zum Abendprogramm auf einer großen Party in der Nähe von Köln. Wie auch BIKER NEWS damals berichten musste, kam es zu einer nächtlichen Massenklopperei, bei der schließlich sogar Schusswaffen verwendet wurden. Alex musste fluchtartig fluchtartig die Bühne verlassen. Die Ursache der Auseinandersetzungen und Details über den Hergang lassen sich heute nicht mehr feststellen. Belassen wir es dabei. Mit ein paar klärenden Telefonaten konnte Alex jedenfalls davon überzeugt werden, dass ihm bei den Deads keine Gefahr droht. Er wird also zusammen mit Zeltinger auftreten.

    Zum Schluss lassen wir noch einmal Vorstand Mattes zu Wort kommen: "Der Living Dead MC schafft es seit nunmehr dreißig Jahren, seinen eigenen Weg zu gehen. Dabei wird es bleiben. Wir sind eine Gemeinschaft von Individualisten mit unterschiedlichen Charakteren. Gerade das macht unsere Stärke und Einheit aus."

    BIKER NEWS, 07/2003